Paar- und Beziehungsberatung

Paar- und Beziehungsberatung hilft – nicht nur in Krisenzeiten – Achtsamkeit und Verständnis für einander zu verbessern und andere Sichtweisen, alternatives Verhalten und ein neues Erleben der Beziehung zu ermöglichen. Der systemische Ansatz erleichtert es, von einseitigen Vorwürfen und Schuldzuweisungen weg zu kommen, Unterschiedlichkeiten zuzulassen und wertzuschätzen und Wechselwirkungen zu nutzen.

 

 

 

Mein Partner als Spiegel

Die Paarbeziehung ermöglicht eine intensive Auseinandersetzung mit einem anderen Menschen. Und dadurch auch eine intensive Auseinandersetzung mit sich selbst.

Harmonische Beziehungen sind salonfähig und erstrebenswert, man lebt friedlich nebeneinander her, vielleicht ohne besondere Höhen und Tiefen… schluckt öfter einmal die eigene Meinung hinunter, verzichtet zugunsten der Harmonie auf persönlche Wünsche und verkneift sich Kommentare und des „lieben Friedens“ willen.

Auf diese Weise mag die Partnerschaft einem Klischee entsprechen, das nach außen herzeigbar ist:  eine Beziehung im „Einklang“ in der Streit vermieden wird.

Eine Beziehung  die uns nicht fordert und  in der Konflikte  nicht auf den Tisch gelegt und diskutiert werden, führt aber möglicherweise früher oder später dazu , dass man nebeneinander her- oder aneinander vorbeilebt.

Vermeidung bedeutet Stagnation – Konflikte hingegen sind Energie in Bewegung und können eine wundervolle Entwicklungschance darstellen.  Immer wenn Frust entsteht, entsteht auch Energie! Diese Energie kann sinnvoll genützt werden, um Bewegung in die Beziehung zu bringen, um an der Beziehung zu arbeiten, sie zu nähren und am Leben zu erhalten und um sie  – im besten Fall – zu „heilen“.

Wenn wir uns darüber bewusst sind, dass alle Menschen denen wir begegnen, aber ganz besonders unser Partner, für uns auf der Bühne des Lebens eine bestimmte Rolle übernehmen, um uns unsere eigenen inneren Koflikte sichtbar zu machen, wird es uns leichter fallen, fordernde Situationen in unserer Paarbeziehung anzunehmen ohne sie zu bewerten.

Unser Partner ist wie ein grosser Spiegel, in dem  wir unsere eigenen Bedürfnisse, unsere eigenen Blockaden, Verletzungen, Sehnsüchte, Ängste usw. betrachten können.

Wenn wir den Fokus unserer Wahrnehmung verändern und uns nicht ausschließlich mit dem  – für uns störenden – Verhalten unseres Partners beschäftigen, sondern vielmehr in uns hinein fühlen, was dieses Verhalten denn in uns wachruft, können  wir kleinen und großen Verletzungen, Schuld- und Schamgefühlen, Verurteilungen, Kontrolle, Abwehr und Widerstand die in vielen Fällen in der Kindheit entstanden sind, auf die Spur kommen.

Es heißt, der wahre Sinn von Beziehungen wäre, die inneren, ungelösten Konflikte beider Partner auszugleichen. Somit ist jede Beziehung so wie sie eben gerade ist, die perfekte Bühne um unsere Defizite auszugleichen.

So gesehen sollten wir unserem Partner dankbar sein, dass er mit Zielsicherheit unsere „Knöpfe“ drückt!

Auf dem Weg zu einer erfüllten Partnerschaft liegen nun oft einmal kleinere und auch größere Steine, Felsbrocken und Ähnliches; HIndernisse, die Kränkungen in sich verbergen, die unseren Handlungsspielraum einschränken, die uns reagieren lassen, wie das kleine verletzte Kind von damals…

In Wahrheit gebührt jedem einzelnen dieser scheinbaren Hindernisse liebevolle Zuwendung,  Aufmerksamkeit und Achtsamkeit.

Im Licht dieser konstruktiven Betrachtungsweise, können Felsstücke zu Edelsteinen werden, für die es sich lohnt, auf dem Weg inne zu halten, sich hinunter zu beugen, einen oder mehrere von ihnen genauer anzuschauen und sie aufzuheben. Vielleicht, um ihnen später einen ganz besondern Platz in einer Schatztruhe zu geben.

Ich bin davon überzeugt, dass uns kein Partner zur ultimativen Zufriedenheit verhelfen kann, uns „glücklich machen“ kann, oder uns Sicherheit schenkt, solange wir diese Qualitäten nicht in uns selbst entwickelt haben.

Wir dürfen uns in gewisser Weise darauf verlassen, dass alles, was wir über uns erfahren müssen, alles was es in uns zu entwickeln gilt oder aber was es zu heilen gibt, wie alte Schmerzen, Demütigungen, unsere tiefsten Ängste und vieles mehr, zur richtigen Zeit und am richtigen Ort  an die Öberfläche kommen wird.

 

In „Liebe dich selbst und es ist egal, wen du heiratest“, beschreibt Eva – Maria Zuhorst:

„Wir alle erleben in der Welt immer unseren eigenen, persönlichen Film. Wir Wir können die Drehorte und Darsteller wechseln – die Partner, die Arbeitsplätze, die Wohnorte – aber das emotionale Klima und unsere Art, uns mit dem Leben zu konfrontieren, bleiben. Wir wechseln die Leinwände aus, auf denen unser persönlicher Film läuft, wir verändern das Set, aber die Drehbücher verknüpfen immer wieder ähnliche Handlungsstränge, und die Schauspieler spielen ähnliche Rollen. Denn wir sind die Drehbuchautoren und die Regisseure unseres Films…“

Es ist also völlig egal,  wer unser Gegenüber ist, in Wahrheit begegnen wir immer uns selbst.

Für gutes Verständnis und Nähe in Paarbeziehungen lohnt es sich daher, sich  immer wieder die Frage zu stellen: „Was hat das alles mit mir zu tun?“

 

Nichts fordert also die Entwicklung der individuellen Persönlichkeit im Erwachsenenalter mehr heraus, als eine konstruktive Liebesbeziehung.

Die wahrhaftige Begegnung in einer reifen Beziehung ermöglicht  den beiden Partnern, sich zu erkennen, aber auch erkannt zu werden als der Mensch, der man schon immer war und als der Mensch, der man noch werden kann.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Ich denke, dass die Geschenke, über die Virginia Satir hier schreibt, nicht nur in Paarbeziehungen von Bedeutung sind sondern in jeder tiefen, zwischenmenschlichen Beziehung.

„Ich glaube, das größte Geschenk, das ich von jemandem bekommen

kann, ist, dass er mich sieht, mir zuhört, mich versteht und mich berührt.

Das größte Geschenk, das ich einem anderen Menschen machen kann,

ist, ihn zu sehen, ihm zuzuhören, ihn zu verstehen und ihn zu berühren.

Wenn das gelingt, habe ich das Gefühl, dass wir uns wirklich begegnet sind.“

(Virginia Satir)

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